Aktuelle Projekte

Aktuelle Projekte 2018

10. und 11. November 2018: Michael Tippett (1905 - 1998): A Child of Our Time (Oratorium)

Michael Tippett war ein sozial und politisch sehr interessierter und engagierter Komponist. Nach zunächst mehr parteipolitischem Engagement ab 1935 in der British Communist Party, die er angesichts deren inneren Entwicklung enttäuscht wieder verlassen hat, stellt er mit dem Kompositionsbeginn an „A Child of our Time“ 1939 seine musikalische Arbeit ins Zentrum seines tief empfundenen Bedürfnisses, Mitgefühl für Verfolgte und Unterdrückte auszudrücken.


„Das Kind unserer Zeit“, die Hauptfigur des Werkes, das ist der 17-jährige Herschel Grynszpan, der aus Rache für die Verfolgung seiner Familie durch die Nazis im November 1938 in Paris den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath niederschießt. Als vom Rath wenige Tage später seinen Verletzungen erliegt, zeigen die Nazis mit der Reichspogromnacht einmal mehr ihr wahres Gesicht.

Aus Tippetts ursprünglichen Plänen, die Geschehnisse in einer Oper zu verarbeiten, wurde angesichts der religiösen Dimension ein Oratorium. Neben deutlich erkennbaren „architektonischen“ Bezügen zu Bach und Händel - es gibt Chöre, Arien, Rezitative und Choräle, fügt er 5 Negro-Spirituals an dramatisch ergreifenden Stellen ein, die das jeweils kaum zu ertragende Geschehen bündeln und in einer Art des gemeinschaftlich gesungenen Gebetes beantworten.

Auch Elemente des Jazz und Anklänge an damals beliebte Tanzformen entfalten eine universelle Parabel auf die Zeit. Viele sollten sich angesprochen fühlen.

Am Ende tastet sich Tippett vorsichtig an eine Versöhnung heran! Bedenkt man, dass er das Werk 1941 fertiggestellt hat, liegt darin eine ungeheure visionäre Kraft und eine Hoffnung, aus der heraus er überhaupt komponiert. Sein intensiver Drang des Erinnerns, des Mahnens aber auch des Formulierens von Hoffnung bricht sich in „The Child of our Time“ Bahn: „Den Inhalt dieses Oratoriums musste ich als Offenbarung annehmen [...]. Wenn ich das nicht tue, bekomme ich vom ‚Inhalt’ Alpträume – er ist sehr abgründig.“ (Brief Tippetts an Alan Bush, 1940)

Drei Jahre nach der Fertigstellung gelingt im März 1944 endlich die Uraufführung in London. Keine Geringeren als Benjamin Britten und sein Lebenspartner Peter Pears, der den Part des Solotenors übernimmt, helfen bei der Realisierung dieses großen Werkes zu Kriegszeiten. 
 

 

 

Chorleiter

Herr Guido Mürmann